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Grenzen - Übergänge

Gedankenspiele zum Thema Grenzen:

 

Grenzen rufen bei mir automatisch Assoziationen hervor. Ich sehe den historischen Weltaltlas vor meinem geistigen Auge und die sich immer wieder verschiebenden, verändernden, neu definierten und definierenden territorialen Grenzen. Das ist einfach und plastisch.

 

Die gedankliche Reise geht weiter. Grenzen gibt es natürlich auch im Kopf. Oder vielleicht gerade im Kopf? Was bestimmt meine Vorstellung von Grenzen und ist es nicht so, dass eine Grenze Schutz und Ausgrenzung zugleich ist, je nachdem, ob ich innerhalb oder außerhalb stehe, freiwillig oder unfreiwillig die Linie nicht übertreten kann, die die Grenze darstellt.

 

Ich stelle für mich fest: Die Grenze ist also eine Linie. Ich komme beim Limes an, der nicht nur die Grenze des römischen Reiches war, sondern in erster Linie ein Schutzwall vor den barbarischen Völkern Germaniens. Also uns?

 

Und schon bin ich bei einem Thema, das mich besonders fesselt, der Weltsicht der Kelten, die schon von den Römern gerne mit den Germanen in einen Topf geworfen wurden, alles Barbaren eben…

 

Bei den Kelten steht der Übergang im Zentrum des Weltbildes und nicht die Grenze. Zeit wird bspw. nicht als linear aufgefasst, sondern als Kreislauf und allen Kreisläufen liegt ein achtspeichiges Rad zugrunde. Den Übergängen zwischen den Kreissegmenten kommt eine besondere Bedeutung zu, denn hier ist die Verbindung zwischen den Zuständen und den Gegensätzen möglich: Tag und Nacht, Dunkel und Hell, Götter und Menschen, das Mystische und das Irdische usf.

 

Das ist das Thema der Installation mit dem Hasen. Das Keltische Jahr und Osteria, namensgebende Göttin des Osterfestes mit seinen Frühlingskräften, dem einzigen Fest übrigens, dass sich in dieser Tradition bis heute im Datum am Mond und der Systhematik der Ackerbauerkulturen orientiert. Ostern mit dem unvermeidlichen Osterhasen findet immer am ersten Sonntag nach dem 1. Vollmond nach der Frühlings Tag- und Nachtgleiche statt.

 

So komme ich bei Transformationsprozessen an, einem zentralen Thema der meisten mir bekannten Schöpfungsmythen. Grenzen können also überschritten werden, erfahren Verwandlung und definieren die Phasen zwischen den Wandlungen.

 

Ich komme bei den Träumen an. Träume sind eine nahezu tägliche oder besser gesagt nächtliche Form der Grenzüberschreitung und Transformation. Hier kann in unserer entzauberten Welt die Seele auf Wanderschaft gehen und Grenzen überschreiten, die Gestalt verändern und Superkräfte entwickeln, sogar fliegen. Und plötzlich sind wir wieder ganz einfach und verzaubert.