Werkschau


Wir betrachten Design als Zeitzeugen gesellschaftlicher Phänomene und Geisteshaltungen, eingebettet in historische Zusammenhänge und Randbedingungen. Die gestalterische Lösung einer Aufgabe ist immer ein Kind ihrer Zeit. Positionen liegen dabei oftmals weit auseinander und lassen sich im Grunde bis auf die im 16 Jahrhundert als Bildersturm in die Geschichte eingehende neue Ethik zurückverfolgen: Nüchternheit ersetzt Formüberfluss, das Bild und damit der Schmuck weichen weltlicher Schlichtheit. In der Folge begeben sich Künstler und Designer auf die Gradwanderung zwischen Individualismus und Typisierung.

Die Bandbreite der Positionen mögen die nachfolgenden Zitate verdeutlichen.

„Nur mit der Typisierung, die als Ergebnis einer heilsamen Konzentration aufzufassen ist, kann wieder ein allgemein geltender, sicherer Geschmack Eingang finden“. Herman Muthesius, 1914

„Solange es noch Künstler im Werkbund geben wird und solange diese noch Einfluss auf dessen Geschicke haben werden, werden sie gegen jeden Vorschlag eines Kanons oder einer Typisierung protestieren. Der Künstler ist seiner innersten Essenz nach glühender Individualist.“ Henry van de Velde, 1914

„Die heiligen Kühe des Funktionalismus müssen geopfert werden. … Das Verbrecherische liegt darin, dass die Prinzipien des Klaren und Strengen uns in eine Öde der gestaltung geführt haben.“ W. Nehls, 1968

Friedrich II - Studierende des 4. Semesters erarbeiten Zeitbilder


Den aufgeklärten Absolutismus in möglichst vielen Facetten zu erfassen, war das Anliegen dieser Veranstaltung. Als Kristallisationspunkt wählten wir Friedrich II., der bereits durch seine Wiedersprüchlichkeit ideale Vorraussetzungen für die möglichst vielschichtige Auseinandersetzungen mit dem Gesellschaft-, Wirtschafts- und Geistesleben einer ganzen Epoche bietet.

Im Format _Umzugskarton_ erarbeiteten die Studierenden eine große Bandbreite unterschiedlicher Themen. Die Höfe Maria Theresias und Friedrich II. standen ebenso auf der Agenda, wie das Weiße Gold Porzellan, die Französische Aufklärung, die Schlesienkriege oder die Frühzeit der Industrialisierung mit der Entwicklung der Dampfmaschine.